Vor 28 interessierten Mitgliedern und Gästen stellte der Direktor der Neurologie am Klinikum Lüdenscheid, Herr Dr. Schimrigk, und seine Mitarbeiterin Frau Ina Selka beim Gruppentreffen in der Siegerlandhalle die von ihm angebotene MS-Spezialambulanz vor.
Der frühere Oberarzt der Neurologischen Klinik der Bochumer Ruhr-Universität am St. Josef-Hospital berichtete über die Behandlung von MS-Patienten sehr verständlich und zeigte auf, dass bei vielen eine Verbesserung ihrer Handicaps möglich sei. Unter anderem ging er auch auf verschiedene Studien zur MS-Behandlung ein, die an der Klinik durchgeführt würden, z.B. zur Behandlung neuropathischer Schmerzen.
Zum Einholen einer Zweitmeinung zur Diagnosestellung oder Therapieentscheidung kann die MS-Ambulanz mit einer Überweisung des behandelnden Neurologen aufgesucht werden. Herr Dr. Schimrigk machte deutlich, dass er mit seiner MS-Ambulanz nicht mit den niedergelassenen Neurologen konkurrieren will, sondern sich vielmehr als eine hilfreiche Ergänzung sieht.
Viele Fragen der Anwesenden zu Therapiemöglichkeiten, vor allem für den chronisch-progredienten Verlauf der Erkrankung, wurden beantwortet. Hier stehen leider nur wenige Medikamente zur Verfügung und auch die meisten Studien zur Behandlung der MS sind für Patienten mit einem schubförmig-remittierenden Verlauf vorgesehen.
Es war ein sehr informativer Abend und wir haben uns gefreut, einen so netten und kompetenten Arzt kennen zu lernen.
Über ein Jahr trafen sich jeden Monat die Mudersbacher Patchworkfrauen, um gemeinsam zu nähen und neue Ideen zu entwickeln. Mudersbacher Patchworkfrauen? Das sind: Marliese Dubreuil, Anneliese Hambloch, Helene Kölzer, Luisa Kölzer, Susanne Kölzer, Simone Meier, Inge Nickol, Annette Piccolini, Gisela Stausberg, Klara Stettner, Hanne Wüst, Helga Zimmermann. Große farbenfrohe Quilts und Kissen, weihnachtliche Dekoration, fantasievolle Taschen und Decken waren von ihnen mit viel Liebe zum Detail hergestellt worden. Bereits zum vierten Mal veranstalteten die elf Frauen im Oktober 2007 eine Verkaufsausstellung im katholischen Pfarrheim Mudersbach, bei der die gemeinsam geschaffenen Kunstwerke in großartiger Vielfalt präsentiert wurden. Die Besucher kamen zahlreich und die schönsten Stücke waren " wie immer " schnell verkauft. Die gemütliche Atmosphäre mit Kaffee und selbstgebackenem Kuchen lud zu Gesprächen inmitten der Ausstellung ein.
Der Reinerlös dieses Wochenendes betrug 3000,- € und sollte an drei gemeinnützige Vereine gespendet werden. Je 1200,- € erhielt der "Ambulante Kinderhospizdienst Siegen e.V.", vertreten durch Anette Weth, sowie "Kinder in Not Kreis AK e.V.", für den Martina Wagner den Scheck dankbar entgegennahm. Unsere 1. Vorsitzende, Birgit Rabanus, freute sich über den Betrag von 600,- €, der unserer Gruppe zugutekommt. Bei einer kleinen Feierstunde berichteten die Vertreterinnen der Vereine über ihre Arbeit und stellten vor, wofür sie das Geld verwenden möchten. Sie würdigten nochmals das außerordentliche Engagement der 12 Frauen.
Schon oft wurden Vertreterinnen unserer Selbsthilfegruppe von Ausbildungsstätten für medizinische und soziale Berufe eingeladen, um über die Erkrankung Multiple Sklerose und ihre Auswirkungen zu berichten. Dieses Mal übernahmen Antje Hering und Nicole Fahrenkamp diese Aufgabe und waren bei Schülerinnen und Schülern des Abschlusslehrjahres der Krankenpflegeschule des St. Marien-Krankenhauses zu Gast. Der Kontakt kam durch eine Schülerin zustande, die im vergangenen Jahr eine MS-Betroffene unserer Gruppe als Patientin auf ihrer Station kennen gelernt hatte.
Die angehenden Krankenschwestern und Pfleger wurden über die Verbreitung der MS und die noch immer ungeklärte Ursache informiert. Die Geschehnisse im zentralen Nervensystem und mögliche Folgen für die Betroffenen wurden anschaulich beschrieben. Wie der Alltag mit der chronischen Erkrankung aussehen kann, wurde ebenfalls thematisiert. Dabei wurde auch die wichtige Hilfe bei der Krankheitsbewältigung durch unsere Selbsthilfegruppe dargestellt. Viele Fragen stellten die Schülerinnen und Schüler und fanden es sehr positiv, nicht nur theoretisch ein Krankheitsbild kennen zu lernen.
Am 08.03.2008 probierten einige unserer Mitglieder das Schnuppertauchen, ein Angebot des Sanitätshauses Medica und der Firma ASTRA tech in der Neurologischen Fachklinik Hilchenbach.
Hier ein kleiner Erfahrungsbericht: "Mit viel Geduld und Einfühlungsvermögen wurde uns von ebenfalls behinderten Tauchlehrern erklärt, was bei einem Tauchgang zu beachten ist, und wie unter Wasser die Verständigung per Handzeichen funktioniert. Ungewohnt war das Atmen durch den "Lungenautomat", wobei während des Tauchganges ausschließlich durch den Mund ein- und ausgeatmet wird. Aber auch das war nach kurzem üben gar nicht mehr so schwer. Stets waren zwei ausgebildete Behindertentauchlehrer zusammen mit dem Schüler im Wasser. Einer war unter und der Andere über dem Schüler, um das größtmßgliche Gefühl der Sicherheit zu vermitteln. Es war ein unglaublich tolles Erlebnis, sich schwerelos im Wasser zu bewegen und dabei die körperlichen Einschränkungen und Schmerzen zu vergessen. Was an Land so unendlich schwer ist, verliert unter Wasser jegliches Gewicht. Es war toll und wir können oft mehr, als wir uns selbst zugetraut haben!"
Die Inhaber der Tauchschule "Crazy Bubbles" aus Horb am Neckar in Baden-Württemberg, Caren und Michael Totzauer, waren extra angereist, um uns das Tauchen näher zu bringen.
Die Behindertentauchlehrerin Anette Saure und Matthias Richter von der Tauchschule Sorpesee stellten uns beim Gruppentreffen sehr anschaulich einen Teil ihres Ausbildungsprogramms vor. Bei ihnen können Menschen mit Behinderung das Tauchen erlernen und sogar den Tauchschein machen, beides aus Sicherheitsgründen natürlich nur zusammen mit entsprechend ausgebildeten Begleitpersonen. Im nächsten Jahr wollen wir an verschiedenen Tagen ein "Schnuppertauchen" für Interessierte anbieten.
www.crazybubbles.net

Was und wo ist der Beckenboden und welche Funktionen hat er, wie kann ich ihn (auf-)spüren und ihn bewusst einsetzen? Mit dieser Fragestellung begann im April der 10-wöchige Beckenboden-Kurs in der Turnhalle am Oberen Schloss, den Hans Jürgen Stendenbach, ein erfahrener Übungsleiter der TSG Siegen 1846 e.V., für interessierte Gruppenmitglieder anbot. Es wurden theoretische und praktische Inhalte vermittelt. Die Übungen fanden im Sitzen, Stehen, Kniestand und Rückenlage mit und ohne Ball statt. Entspannungsübungen waren natürlich auch mit dabei. Am letzten Kurstag wurden kleine Übungsstückchen verschenkt, deren Stoffbezug mit passenden Motiven, also Schildkröten für den Herrn und Hühner für die Damen, versehen ist. Die netten Überraschungen waren selbstgenäht und befüllt von zwei Teilnehmerinnen. Alle waren mit diesem Schnupper-Kurs sehr zufrieden und wollen, besonders wegen der positiven Wirkung auf die Blase, täglich Übungen zur Stärkung ihres Beckenbodens durchführen.
"Wenn das Wetter so bleibt wie in den letzten Wochen können wir unsere Teilnahme am Tag der Begegnung vergessen...." befürchteten wir, denn zuvor war es sehr schwül und drückend. Und das hatte viele von uns so geschwächt, dass Anstrengungen vermieden werden mussten, aber zum Glück änderte sich das Wetter rechtzeitig. Wie im Jahr zuvor hatten wir einen angenehmen Standplatz auf dem Maria-Rubens-Platz (Siegplatte), wo wir umfangreiches Informationsmaterial über Multiple Sklerose und eine große Auswahl an selbst gebackenem Kuchen mit frisch gebrühtem Bio-Kaffee anboten. Herzhaftes wie Quiche Lorraine (Specktorte), Pizzaschnecken und belegte Brötchen war ebenfalls sehr beliebt.
Am Stand wurden intensive Gespräche mit MS-Betroffenen, Angehörigen und Interessierten geführt. Die Plakate zu den Themen MS, Leben mit Behinderung, Barrieren im Alltag und Aktivitäten unserer Gruppe waren für die Ausstellung neu gestaltet worden. Besonders interessiert zeigte sich eine Gruppe Jugendlicher, die als Teil ihrer Firmungsvorbereitung zusammen mit Regina Printz von der Gruppe "Pro Retina" die einzelnen Stände aufsuchten und sich informierten. Der Verkauf von Losen der "Glückspilzlotterie der Wohlfahrtsverbände", bei der zahlreiche Geldgewinne lockten, sorgte ebenfalls für eine hohe Besucherfrequenz.
Die verschiedenen künstlerischen Darbietungen auf und vor der Bühne waren wieder sehr unterhaltsam und erfreuten das Publikum. Die Organisation der Veranstaltung, an der über 40 Selbsthilfegruppen und Behindertenverbände teilnahmen, war wie immer sehr gut. Viele Mitglieder unserer Gruppe beteiligten sich an den Vorbereitungen und der Besetzung unseres Standes, wodurch unsere Teilnahme wieder ein voller Erfolg wurde!
"Wir würden gerne eine kleine Wanderung mit Gehbehinderten und Rollstuhlfahrern unternehmen." Mit diesem Wunsch wandte sich unser Vorstand bereits vor 1 ½ Jahren an das Ehepaar Hanna und Ewald Voss aus Gosenbach, zwei sehr erfahrene und begeisterte Wanderer, die wir als Organisatoren der jährlich stattfindenden Wanderung zugunsten MS-Kranker "Gesunde wandern für Kranke" kennen gelernt hatten. Im Jahr 2007 wurde daraus leider nichts, denn durch die Schäden des Orkans "Kyrill" und die Aufräumarbeiten zu deren Beseitigung waren die Waldwege gesperrt, zerstört oder mit Schottersteinen aufgefällt.
Lange suchten die Beiden nach einer geeigneten Strecke, die einige Voraussetzungen erfüllen sollte: nicht zu lang und mit möglichst wenig Höhenunterschied, nicht holperig und steinig, mit Einkehrmöglichkeit in ein barrierefreies Cafe mit Behindertentoilette. Besonders die letzte Bedingung war schwer zu erfüllen. Schließlich wurden sie in Wilnsdorf-Niederdielfen fündig und unternahmen in diesem Frühjahr mit dem Vorstand eine Probewanderung. Das dortige Senioren-Wohn- und Pflegeheim "Haus an der Weiߓ" bietet ebenerdig einen Cafebetrieb, verfügt über eine Behindertentoilette und ist für unser geplantes Unternehmen günstig gelegen.
Dann war so weit, im August kamen 12 Gruppenmitglieder zusammen, um im Rollstuhl, mit Rollator oder Gehstock, oder ohne Hilfsmittel im Grünen zu wandern. Zunächst ging es an der Weiß entlang, dann über eine kleine Brücke und vorbei an Wiesen und einer Pferdeweide. Die Stimmung war prächtig und das Wetter spielte auch mit. Im Anschluss besuchten wir das Cafe Treffpunkt im Haus an der Weiߓ, wo wir uns an einer langen Tafel mit Kaffee, Tee, leckerem Kuchen und frisch gebackenen Waffeln stärken konnten. "Wiederholung erwünscht!" da waren sich alle Teilnehmer einig.
Um in aller Ruhe die Themen vertiefen zu können, die bei unseren Gruppentreffen oder bei Telefonaten nur kurz angesprochen werden konnten, haben wir mit 26 Personen ein Wochenendseminar im Josef-Gockeln-Haus der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) durchgeführt
. Die Moderation übernahm ein sehr kompetentes Team:
In der Auftaktrunde am Freitagabend, die noch ohne Moderatoren stattfand, wurden Informationen zum Haus und zum Ablauf des Seminars gegeben und das Programm vorgestellt. Alle waren sich einig, dass die Gesprächsinhalte der Verschwiegenheit unterliegen. In der anschließenden „Steinrunde“ wurden insbesondere Wünsche und Erwartungen an das Seminar geäußert.
Durch das Dekorieren mit Tüchern, Kerzen, Steinen und Blumen brachten einige Gruppenmitglieder eine angenehme Atmosphäre in den großen Gesprächsraum. Nach der Vorstellungsrunde und einigen Aufwärmspielen konnten die Gesprächseinheiten beginnen.
Wir setzten uns intensiv mit der sogenannten „Resilienz“ auseinander. Der Begriff kommt ursprünglich von den Ingenieurswissenschaften und kann auch im übertragenen Sinne angewandt werden: Widerstandskraft, Stabilität und Standfestigkeit gegenüber Druck, Belastungen und allen störenden oder zerstörenden Kräften.
In Kleingruppen beschäftigten wir uns mit Teilbereichen der eigenen Identität: (Körperliche) Gesundheit, (Soziale) Beziehungen, Materielle Sicherheit, Arbeit/Leistung, Lebensinhalte, Visionen/Ziele und Spiritualität.
Weitere Gesprächsthemen waren: Belastung, Verdrängung, Überforderung, psychische Auswirkungen, Auseinandersetzung, Annehmen der MS, Lebensqualität, Mut zur Veränderung und zu neuen Rollen, neue Regeln und Verantwortungsbereiche.
Abschließend lasen wir gemeinsam das Märchen „Hans im Glück“ und konnten es aus einem neuen Blickwinkel betrachten.
Entspannungsübungen zwischen den Gesprächseinheiten, z.B. mit Igelbällen, verhalfen uns zu neuer Konzentration. Die Pausen wurden zum Ausruhen oder für kurze Spaziergänge genutzt. An den Abenden sorgten gesellige Tischrunden mit Spielen, Kegeln usw. für gute Laune in der Gemeinschaft.
Die Teilnehmer waren mit der behutsamen Art der drei Moderatoren sehr zufrieden, die gut vorbereitet waren und mit viel Einfühlungsvermögen das Wochenendseminar mit uns gestalteten. Auch das Essen des Hauses war sehr lecker und wir genossen es, rundherum versorgt zu werden.
Wir danken der AOK Siegen für die finanzielle Förderung.
Prof. Dr. Veit Braun, Chefarzt der Neurochirurgie am Ev. Jung-Stilling-Krankenhaus in Siegen, kam am 10.10.2008 zu unserem Gruppentreffen und referierte zum Thema „Trigeminusneuralgie“. Professor Braun, der zuvor an der Uni Klinik Ulm tätig war, ist ein verdienter Wissenschaftler, Multimedia-Preisträger und Spezialist für minimal-invasive Operationsverfahren.
Gespannt lauschten die Gruppenmitglieder und Gäste seinem Vortrag und erfuhren einiges über den anfallsweise auftretenden, heftigen Gesichtsschmerz, der bei MS häufig vorkommt. Ist ein (oder mehrere) Trigeminusnerv von Demyelinisierung betroffen, kann ein normaler Reiz wie z.B. das Kauen oder Lutschen oder aber ein Windhauch zum einseitig auftretendem Schmerz im Gesicht führen. Weil dieser Schmerz sehr plötzlich kommt und nur kurze Zeit anhält, helfen hier leider keine Schmerzmittel, denn sie wirken erst, wenn der Schmerz meist schon vorüber ist.
Die zur Behandlung einer Trigeminusneuralgie eingesetzten, dem Schmerz vorbeugenden Medikamente, z.B. die Antiepileptika Carbamazepin oder Gabapentin, oder das Antispastikum Baclofen, um damit die wichtigsten zu nennen, werden nicht von allen Betroffenen gut vertragen. Wenn die medikamentösen Möglichkeiten ausgeschöpft sind, könnte eine neurochirurgische Operation helfen. Sehr anschaulich zeigte Professor Braun an dem von ihm mitgebrachten Demonstrations-Schädel, wie der Operateur an den Nervenknoten gelangt, in dem sich die 3 Nervenäste der Trigeminusnerven treffen, um mit dem sogenannten Glycerinverfahren die Weiterleitung des Schmerzes zu unterbrechen. Treten die Beschwerden nach einiger Zeit erneut auf, kann die OP wiederholt werden.
Nach den Ausführungen von Professor Braun wurden selbstverständlich auch alle Fragen der Zuhörer von ihm gerne und umfassend beantwortet. Wir sind schon gespannt auf seinen Vortrag über Nackenschmerzen, den er nächstes Jahr bei einem unserer Gruppentreffen halten wird..
Antje Hering, Birgit Hellwig und Christa Amos reisten entlang der Küsten des fünften Kontinents und erlebten eine Traumreise mit Naturwundern – und wunderbaren Menschen.
„Australien ist mit seinen rund 7,74 Millionen Quadratkilometern flächenmäßig in etwa so groß wie Europa. Wer dorthin reist, sollte Zeit mitbringen, um die Dimensionen zu erfassen, die phänomenale Natur zu erleben und die Menschen kennenzulernen. Unseren vierwöchigen Australien-Trip hatten wir schon lange geplant und vorbereitet. Deshalb finden sich noch heute im Reiseführer gelbe Marker-Spuren und viele Klebezettelchen.
Meine ehemalige Kollegin Birgit aus Wilnsdorf kennt sich aus am anderen Ende der Welt; schließlich hat sie von 1993 bis 2006 in Sydney (Blacktown) gelebt und gearbeitet. Vor Jahren hat sie schon einmal Besuch von mir, der Eiserfelder Freundin, bekommen. Selbstverständlich – und auch wieder nicht, denn ich saß schon damals meistenteils im Rollstuhl. Die guten Erfahrungen mit einer Gesellschaft, die Menschen mit Behinderung nicht ausgrenzt, sondern (be-)achtet, machten mir Mut, ein zweites Mal eine Australienreise zu wagen. Zumal die drei Flugtickets nach Sydney Geschenke von Freunden waren – inklusive freier Inlandsflüge. Dass ich diese Reise zusammen mit Birgit unternehmen wollte, stand schnell fest und auch, dass die Dritte im Bunde meine Freundin Christa, gleichfalls aus Eiserfeld, sein sollte.
Unser Plan war, mit dem Wohnmobil die Great Ocean Road entlangzufahren. Rund 300 Kilometer lang ist diese Küstenstrecke, die sich von Torquay bis nach Warrnambool von Kurve zu Kurve an grandiosen Ausblicken überbietet. Auf Buchten und Klippen, aufs weite Meer und auf solch bizarre Skulpturen wie die „Zwölf Apostel“, von Wind und Wetter gezeichnete Felsnadeln, die Christa und ich im Hubschrauber aus der Vogelperspektive erleben konnten. Wir sind die Panoramastraße im Südosten Australiens entlanggefahren – und mehr als das: wir fuhren von Sydney nach Adelaide und damit rund 2.500 Kilometer mit dem Wohnmobil, einem „Schiff“ von 6,80 Meter Länge.
Eine interessante Begegnung unterwegs hatten wir mit Ranger Paul. Er riet uns davon ab, südlich von Melbourne „wild“ zu campen. Aus gutem Grund. Denn dort, wo wir übernachten wollten, hätten wir am nächsten Morgen festgesessen. Der gewählte Ort war das Trainingsgelände für Rennpferde... Und so führte Paul uns zu einem Campingplatz in der Nähe, leuchtete das Gelände mit den riesigen Scheinwerfern seines Pickups gründlich aus und wies uns, den Ladies aus good old Germany, einen Platz auf dem ansonsten leeren Areal zu. Auch das aus gutem Grund: Als wir am nächsten Morgen die Mobil-Tür öffneten, ging der erste Blick geradezu auf eine Koala-Mama samt Koala-Kind. Und dann war auch klar, was dieses seltsame Keuchen in der Nacht zu bedeuten hatte...
Überhaupt, die Tiere. Australien hat eine unglaublich reiche Fauna, die Arten umfasst, die nirgends sonst auf der Erde vorkommen: Känguru und Koala, Wombat und Schnabeltier, Kookaburra, ein etwa 45 Zentimeter großer Eisvogel mit einem heiseren Lachen. Dazu Tiere, die durchaus auch anderswo zu Hause sind, denen man aber nicht unbedingt so mühelos auf die Spur kommt, wie in Australien.
Zum Beispiel den elf Emus, die am Straßenrand im hohen Gras unterwegs waren, und für die wir natürlich einen Fotostopp einlegten. Das freilich im Westen Australiens, wo die Reise, würde sie chronologisch nachgezeichnet, ihren Anfang nahm. In Perth, von wo es rund 1.000 Kilometer nordwärts ging – und wieder zurück. Auch mit dem Wohnmobil, aber mit einem (eigentlich zu) kleinen. Beim Emu-Halt auf einer dieser endlos langen geraden Überlandstraßen, die für das wenig besiedelte Westaustralien so typisch sind (Vorsicht, wenn da einer der über 50 Meter langen „Road Trains“, der LKW-Züge, angerollt kommt!), erlebten wir, was gleichfalls typisch für Australien ist: die Umsicht, Besorgtheit, Hilfsbereitschaft der Australier. Unsere kurze Pause war für die Einheimischen Anlass genug, anzuhalten und nachzufragen: „Ist alles okay?“.
Andernorts, an der Shark Bay von Monkey Mia, wo Reisende fast zahme Delfine unter Aufsicht der Ranger füttern können, veranlasste ein junger Mann – einfach so – dass für mich ein Beach Rolley, ein Strandrollstuhl mit großen Rädern, herbeigeschafft wurde. Pures Glück für uns! Wenn ich mir die digitalen Bilderalben anschaue, die nach dieser Reise entstanden sind, ist es wieder da, dieses Glücksgefühl. Das hat sicher auch etwas damit zu tun, dass mit dieser Australien-Erfahrung tatsächlich Träume in Erfüllung gegangen sind.
Wir drei Frauen auf engstem Raum und das 5.500 Kilometer lang – ob das gut geht? fragten wir uns vor der Reise. Das ging gut, wissen wir heute. Auch, weil es zwischen uns klare Absprachen gab. Wie die, dass gleich ausgesprochen werden sollte, wenn einer irgendetwas aufstoße. Oder die, dass, wer Zeit für sich alleine brauche, sich in die Fahrerkabine zurückziehen könne. Eine Möglichkeit, die ungenutzt blieb. Stattdessen kochten und aßen wir gemeinsam, genossen die schönsten Aussichten miteinander und fuhren mitten durch die „Pinnacles“, einem Meer aus „Hinkelsteinen“ im Nambung National Park, oder spielten am Abend bis zum Umfallen. Einfach herrlich! Einfach Australien!“
Australien – kein Handicap!
Australien für Rollstuhlfahrer? Gut möglich! In Sydney, zum Beispiel, setzen alle Taxiunternehmen Wagen ein, die Rollstuhlfahrer aufnehmen können; Züge und Fähren sowie einige Buslinien haben Einrichtungen zur Beförderung von Rollstuhlfahrern. In Narooma, einem Hafenstädtchen südlich von Sydney, ist ein Ausflug mit dem Fischerboot auch mit Rollstuhl möglich; und selbst in den entlegensten Nationalparks sind die „Walkways“, die Spazierwege, breit genug für Rollis. Die meisten öffentlichen Einrichtungen sowie viele Restaurants, Hotels, Kinos und Museen verfügen über eine behindertengerechte Ausstattung.
Gut gelaunt trafen sich im Dezember über 60 Gruppenmitglieder und Gäste zu einem fröhlichen Beisammensein mit leckerem Essen im „Haus der Siegerländer Wirtschaft“ in Siegen, um das Jahr 2008 harmonisch ausklingen zu lassen. Auf ein Programm war bewusst verzichtet worden, um in angenehmer Atmosphäre genügend offenen Raum für viele (kleine) Gespräche zu bieten.
Als Gäste konnten wir den Kreisbeauftragten des Malteser Hilfsdienstes e.V., Reinhard Biehl, sowie zwei der Ehrenamtlichen des Stadtverbandes Siegen, Tim und Moritz, begrüßen. Das Malteser-Team stand uns auch in diesem Jahr durch die aktive Unterstützung und den Behindertenfahrdienst hilfreich zur Seite. Hierfür danken wir ihnen an dieser Stelle nochmals ganz herzlich. Außerdem sind auch Horst Löwenberg, der Geschäftsführer des DPWV, Kreisgruppe Siegen-Wittgenstein/Olpe, und Arno Dreisbach, der uns als einer der Moderatoren des Wochenendseminars in Rahrbach begleitet hat, unserer Einladung zum Jahresabschlussessen gefolgt.
Unsere Vorsitzende Birgit Rabanus begrüßte alle sehr herzlich und gab einen kurzen Rückblick auf das zu Ende gehende Jahr. Sie dankte Allen für den guten Zusammenhalt in der Gruppe, wodurch z.B. einige der neu Hinzugekommenen praktische Hilfe erfahren und Freundschaften knüpfen konnten. Die Beisitzerinnen Beate Weber und Antje Hering dankten den vier Mitgliedern des geschäftsführenden Vorstands für ihren stets zuverlässigen und ehrenamtlichen Einsatz für die Gruppe, den sie oft mit sehr großem zeitlichen Aufwand erledigten. Trotz vieler und intensiver gesundheitlicher Rückschläge leisteten die Frauen sehr kompetente und zuverlässige Arbeit.
Das Büffet bot verschiedene Fleisch- und Fischspezialitäten, diverse Gemüse-, Salat- und Obstvarianten sowie sehr leckere Desserts. Es war ein sehr gelungener Abend und wir schauen neugierig auf das kommende Jahr 2009. Sicher werden wir als Gruppe weiter zusammenwachsen und viele schöne Dinge miteinander erleben, aber auch neue Erfahrungen im Umgang mit unserer Krankheit sammeln.